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Low-Cost-Astronomie

Was ist dran? Kann man „Low-Cost-Astronomie“ betreiben?

Ein paar wichtige Hinweise...

Welche Vergrößerung benötigt man eigentlich?

Anfängerteleskope

Was leistet so ein Billig-Teleskop?

Bei e-Bay...

Vermutlich werden Lidl, Aldi und andere Discounter auch dieses Jahr im Winter mit günstigen Teleskopen werben. In Kaufhauskatalogen und bei e-Bay gibt es günstige Teleskope während des ganzen Jahres… Lohnt sich diese Anschaffung?

Ja und Nein!

Solche Teleskope werden von Hobby-Astronomen oft als Spielzug abgelehnt. Eine vernünftige Ausrüstung muss schon ein paar Hundert Euro kosten! - So heißt es…

 

Was ist dran? Kann man „Low-Cost-Astronomie“ betreiben?

Leider ist es so, dass richtig gute Teleskope sehr viel Geld kosten! Im Vergleich zu den „Billig-Teleskopen“ gibt es große Unterschiede. Das bedeutet jedoch nicht, dass alles andere unbrauchbarer Schrott sei. Man kann auch für wenig Geld ein brauchbares Instrument finden.

Man unterscheidet Linsen- und Spiegelteleskope. Linsenteleskope haben oft eine kleinere Öffnung, da gute große Linsen sehr teuer sind. Außerdem könnten (je nach Qualität und Einsatz) Farbfehler auftreten. Spiegelteleskope können wegen ihrer größeren Öffnung mehr Licht einfangen. Dadurch lassen sich auch lichtschwache Objekte beobachten. Allerdings wird ein Teil des Lichts durch den Fangspiegel abgeschattet und es können Luftturbulenzen im Tubus auftreten. Das klingt jetzt vielleicht ganz schlimm – aber wenn man nicht gerade den letzten Ramsch bekommt, fällt das kaum auf...

Ich konnte mich mit Linsen- als auch mit Spiegelteleskopen anfreunden. Es hängt wohl vom persönlichen Geschmack ab, welche Teleskopart man bevorzugt – und natürlich davon, was man beobachten möchte. Wer sich eher für Nebel, Galaxien und andere „Deep-Space Objekte“ interessiert ist mit einem Spiegelteleskop in der Regel besser beraten.


Für beide Teleskoparten gibt es ein paar wichtige Hinweise:
 

1. Es kommt nicht auf die Vergrößerung an! (Zumindest ist das nicht das Leitkriterium – später mehr dazu)!

2. Wichtig ist der Öffnungsdurchmesser (die Öffnung) des Teleskops…  Je größer dieser ist, desto mehr Licht kann durch das Teleskop gesammelt werden und desto eher können auch lichtschwache Objekte beobachtet werden.

3. Wichtig sind das Stativ, die Montierung und die Qualität der einzelnen Komponenten. Ein wackliges Bild ist kaum „genießbar“!

 

Begründung:

Oft wird gerade bei Billig-Teleskopen die (angeblich) hohe Vergrößerung angepriesen und in den Vordergrund gestellt. Ist jedoch die Öffnung des Teleskops zu klein, verblasst (verdunkelt) sich das Bild bei einer hohen Vergrößerung. Zusätzlich gibt es eine gewisse „Auflösungsgrenze“. Wird diese durch eine zu große Vergrößerung überschritten, kann das Bild nicht mehr scharf gestellt werden. Details, z. B. auf dem Mond verwischen und lassen sich (trotz) der hohen Vergrößerung nicht mehr erkennen. Außerdem wird das Gesichtsfeld durch eine hohe Vergrößerung sehr eingeschränkt. Das heißt, man sieht nur einen winzigen Ausschnitt vom Himmel und es fällt schwer, bestimmte Objekte zu finden.

Für die Beobachtung z. B. von Planeten ist eine bestimmte Vergrößerung notwendig, aber diese kann nicht sinnvoll erreicht werden, wenn die Öffnung des Teleskops zu klein ist. Theoretisch gilt  Vergrößerung = Objektivbrennweite / Okularbrennweite. (Das Objektiv ist die Öffnung des Teleskops – das Okular ist das „Ding“, wo man hineinschaut.)

In der Praxis hat sich jedoch die Fastregel Maximalvergrößerung = Objektivdurchmesser in Millimeter bewahrt – nur bei sehr ruhiger Luft kann man das Doppelte noch nutzen!

 

Welche Vergrößerung benötigt man eigentlich?

Für große Mondkrater und großflächige Sternhafen (z. B. Plejaden) oder Nebel reicht eine 7-15fache Vergrößerung – etwa mit einem Feldstecher. Allerdings ist für „hohe“ Vergrößerungen (etwa ab der 10fachen) ein Stativ wichtig, da das Bild sonst zu sehr zittert.

Mit einer 30fachen Vergrößerung, kann man gerade die Saturnringe und ein paar Wolkenbänder auf dem Jupiter erkennen. Der Mond zeigt schon viele Details und Sonnenflecken können (mit einem sicheren Filter) beobachtet werden.

Eine 60 - 100fache Vergrößerung zeigt noch mehr Details auf  den Himmelskörpern unseres Sonnensystems, z. B. die Marspolkappen und (schon recht deutlich) die Venusphasen. Schon bei dieser Vergrößerung muss das Teleskop vernünftig nachgeführt werden. Da die Erde sich dreht und wir einen kleinen Ausschnitt vom Himmel beobachten, würde ohne Nachführung des Teleskops das beobachtete Objekt schell aus dem Gesichtsfeld verschwinden!

Eine 200fache Vergrößerung ist nur etwas für gute Teleskope und sehr ruhige Luft!

 

Ein weiterer Punkt ist die Montierung und das Stativ. Sind diese von schlechter Qualität, wackelt das ganze Teleskop bei der kleinsten Bewegung. Dies ist besonders bei hoher Vergrößerung (kleines Gesichtsfeld) und bei der Astrofotographie ein Graus!

Astrofotographie? Ja, richtig! Sogar Astrofotographie ist mit „relativ billigen“ Teleskopen möglich. Mehr dazu später… (Extra-Seite)

Über Montierungen kann man noch in der Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Montierung) oder hier (http://www.sternwarte-kreuznach.de/amateurteleskope5.htm) mehr lesen.

 

Anfängerteleskope 

Type

Preis

Typ. Ausstattung

Infos

70mm Refraktor

Unter 100€

* 70mm Öffnung, 700mm Brennweite (manchmal auch mit auch 800mm oder 900mm Brennweite)

* Equatoriale oder azimutale Montierung

* Okulare (20mm, 12,5mm, 4mm), Zenitspiegel, Umkehrlinse für Erdbeobachtungen, manchmal auch einfache Mondfilter

Sternkarte, Sternkartensoftware

Empfehlung: Das „Lidl-Teleskop“, siehe unten.

Alternativen: Linsenteleskop 80 bis 90mm Öffnung, Brennweite 800mm oder mehr – leider kaum unter 100€ zu kaufen. Sie leisten mehr – kosten aber auch mehr!

Im Zweifel wäre vielleicht auch die Anschaffung eines Fernglases erwägenswert. Siehe dazu auch hier (als pdf).

Finger weg von

* Teleskopen mit geringer Öffnung und wackliger Montierung, z. B. ALDI Refraktor: Der aus meiner Schule ist echt mies!

* Auch Teleskope mit geringer Brennweite weniger als 600mm sind oft ungeeignet und sollten besser nur für Erdbeobachtungen verwendet werden.

* Ganz gefährlich: Sonnenfilter, die beim Okular eingesetzt werden. Sofort wegwerfen! Besser sind Sonnenfilter, die bei Objektiv ausgesteckt werden und so verhindern, dass zuviel Licht überhaupt ins Teleskop eindringt!

* Kaufhaus-Teleskopen und anderen Angeboten, die mit großen Vergrößerungszahlen und tollen Bildern protzen… Das sind Blender!

* Keine 1 Zoll-Okulare!

114mm Newton

(Spiegelteleskop)

 

Unter 200€

*114mm Spiegeldurchmesser, 900mm Brennweite

* equatoriale Montierung

* Okulare (z. B. 20mm, 12,5mm und 6mm, Mondfilter, Sternkarte, Sternkartensoftware

* Werden von Händlern in vielen verschiedenen Ausführungen (und Preis auch über 200€) angeboten.

* Achtung: Kleine Kinder benötigen u. U. eine Trittleiter um in das Okular zu schauen.

* Keine 1 Zoll-Okulare!

* Nicht für Anfänger: 114mm Newton mit 1000mm Brennweite, da schwerer einzustellen.

* 114 Newton mit geringer Brennweite (z. B. 500mm) – nur geringe Vergrößerungen, oft schlechter als 70/700 Refraktoren!

* Spiegelteleskop mit kleinen Spiegeln (kleiner als 114mm) – kaum Vorteile gegenüber ein 70/700 Refraktor!

* 130/900 Newton – etwas lichtstärker, aber bei Preisen <200€ für Planetenbeobachtungen nicht besser als ein 114mm Newton!

* Ich selbst hatte als Schüler ein 114er. War zusammen mit der Holzmontierung schon recht schwer und nimmt auch viel Platz (im Zimmer) in Anspruch!

150mm Dobson

(Spiegelteleskop)

Unter 300€

150mm Öffnung, 1200 mm Brennweite, oft mit vernünftigen Okularen,

Montierung: Rockerbox

* Montierung etwas gewöhnungsbedürftig.

* Zeigt deutlich mehr von Mond, Planeten und Deep Sky-Objekten als die vorigen Teleskope

* Kindgerechter, da der gut 1,10m lange Tubus mit der Box am Boden aufgestellt wird.

* Manchmal müssen Okulare separat erworben werden (z. B. 6mm, 9mm, 15mm, 26mm).

* Der Mond ist recht hell – ein Mondfilter ist hier schon sehr nützlich!

* Alternative: 200/1200 Dobson mit 2 Zoll Okularanschluss! Noch besser als das 150/1200 Dobson.

AUF KEINE FALL

<80€

Durchmesser <60mm, Plastiklinsen, wacklige Montierung

… und der gleichen, was man z. T. im Kaufhaus kaufen kann… Hier gilt größte Vorsicht! Da wäre eine Anschaffung eines Fernglases sicherlich sinnvoller.

Abschreckendes Beispiel eines Teleskops mit 50mm Durchmesser und einfachen Linsen:


schrott.jpgDas Teleskop kann man praktisch nur wegwerfen! Zwar lässt sich das Bild noch schärfer stellen, doch bleibt es lichtschwach und voller Farbfehler (farbige Ränder an kontrastreichen Übergängen).

 

 

 

 



Eine Bitte – bevor Ihr etwas kauft, fragt einfach mal im Forum nach, ob das Teleskop vernünftig ist und der Preis stimmt. Es gibt leider auch unseriöse Anbieter. Im Forum Astrotreff wimmelt es von netten Sternguckern, die gerne helfen. Einige sind selbst Händler…

Wenn Ihr noch mehr wissen wollt, dann schau mal hier vorbei...

Wenn Ihr euch nicht an ein Teleskop traut, wäre als Einstieg auch ein Fernglas brauchbar, welches sich ja auch für Erdbeobachtungen eignet. Ein paar Tipps findet Ihr in der Schweiz.

Google liefet zahllose Kaufberatungen:

Nun aber mehr zu meinen Erfahrungen und Ergebnissen…

 

Was leistet so ein Billig-Teleskop?

Das Bildmaterial wurde mit dem Lidl-Teleskop und einer Webcam gemacht. Was die Astrofotografie betrifft: Auch hier gibt es Qualitätsunterschiede … und natürlich  auch Preisunterschiede. Die Bilder der Webcam können natürlich nicht an die einer guten Kamera wie z. B. die Canon DSLR herankommen.

Unser Auge ist zudem empfindlicher und hat eine höhere Auflösung als eine Webcam, d. h. wenn man durch das Teleskop mit dem Auge blickt, sind die Bilder noch besser (schärfer) – allerdings mit einer Einschränkung. Unsere Sehzellen sind nicht sonderlich farbempfindlich! Daher auch das Sprichwort „In der Nacht sind alle Katzen grau“! Die herrlich farbenfrohen Bilder, z. B. vom Orionnebel wird man nicht sehen können.

Durch eine raffinierte Technik ist es bei den Digitalkameras zudem möglich auch lichtschwächere Objekte sichtbar zu machen, die man mit dem Auge nicht wahrnimmt. Allerdings ist das ein Thema für sich…

Bilder mit einem normalen Lidl-Teleskop mit einer Philips ToUcam PRO II PCVC840K (Webcam)

saturn.jpg

 

Saturn – mit dem Auge wirklich schärfer!

 

 

 

 

 

 

 

 
 

plejaden.jpg

Plejaden (M45), Ausschnitt – mit dem Auge nur schwarz/weiß und ohne „Nebelansätze“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

orion.jpg

 

Orionnebel (M 42) – mit dem Auge schwarz-weiß, evtl. leicht grünlich. Nebelrandbereiche schwächer…

Ich hoffe Ihr seid nicht so ganz enttäuscht von diesen "Deepsky"-Bildern.

Wenn man an die schönen Abbildungen denkt, die man in Büchern, Katalogen usw. sieht, ist das hier natürlich eher mager! Aber es ist vielmehr, als das was Galileo & Co. jemals gesehen haben!

 

 

 



 

 

 

Und hinter diesen Bildern steckt schon noch eine ganze Menge mehr. Die Webcam liefert nämlich eher so ein Bild:

 

webcam2.jpg 

wieder Orionnebel (M 42) – unbehandeltes Webcambild

Wie man von solchen Bildern zu dem vorigen Bild kommt, schreibe ich, wenn ich mal wieder etwas Zeit habe. Noch besser und viel ergiebiger als ich es jemals schreiben kann, könnt Ihr es schon jetzt auf dieser genialen Seite lesen: http://astrofotografie.hohmann-edv.de/aufnahmetechniken/toucam.php

 

Noch ein paar schöne Mondbilder:

moon.jpg

 

Mondausschnitt – mit dem Auge noch besser!

 

 

 

 

 

 

 

 

  komplett.jpgMond (ganz)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich das Lidl-Teleskop (=Bresser Teleskop Skylux 70x700, 3 Okulare, etc.) nur empfehlen kann.

  1. Preis & Qualität passen – ich hab nur 80€ bezahlt.
  2. Der Wiederverkaufswert ist hoch. Für die älteren Teleskope (weißer Karton) bekommt man bei e-Bay noch gut 50€. Die neueren wurden in einem blauen Karton verkauft – zur Zeit (2008) bei e-Bay selten zu sehen.
  3. Solltet Ihr vollkommen der Astronomie erliegen, kann das „kleine“ Teleskop dann als Leitteleskop (=so etwas wie ein großer „Sucher“) verwendet werden...

Falls Ihr Fragen habt, könnt Ihr auch mich anschreiben oder beim Astrotreff nachfragen!  
 

      
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Seite zuletzt geändert am: 13.06.2011, 19:56 von Administrator